Nea Kavala‚ Tag elf, Sonntag, 19. August 2018

Freier Tag

Konflikte bewältigen – wenn man verschiedene Sprachen spricht. Geht das überhaupt?

Nicht nur im Camp werden die unterschiedlichsten Sprachen gesprochen. Auch die Volunteers kommen aus vielen verschiedenen Ländern. Meistens sprechen wir Englisch miteinander. Zu Beginn hatte ich große Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Varianten des muttersprachlichen Englisch überhaupt zu verstehen. Auch mein Wortschatz reicht oft nicht aus, um das auszudrücken, was ich mitteilen möchte.

Um Geld zu sparen wollen eine Kollegin und ich uns ein großes Haus in einem großen am Rande der Welt gelegenen Dorf teilen, ohne Lebensmitteladen und ohne Restaurant. Da es dort nichts gibt und unsere Mitbewohnerin mit dem Mietwagen erst am folgenden Nachmittag zu uns stoßen wird, müssen wir uns auf den Aufenthalt dort vorbereiten. Wir kennen das Haus nicht, brauchen aber Lebensmittel. Ich denke, eine Tüte Müsli sollte ausreichen, habe keine Lust auf einen Großeinkauf, ich bin erschöpft, möchte mich in dem Haus auf dem Land an meinem freien Tag ausruhen und an meinen Blog arbeiten.

Wir werden uns nur mit Mühe einig. Hinzu kommt, dass das Haus nicht besonders sauber ist und ich jetzt hier definitiv nicht putzen möchte….

Pigi
Foto: Andrea Koltermann

Meine Kollegin und ich verbringen unser Wochenende in dem großen Haus in Pigi in der Nähe der Berge und an der Grenze zu Makedonien.

Wir sitzen den ganzen Tag im Garten und lauschen dem Plätschern des Baches hinter unserem Haus. Trotz unseres kleinen Konfliktes ist es ein bisschen wie im wie Urlaub hier.

Pigi 2
Foto: Andrea Koltermann

Richtig auf das Schreiben meines Blogs konzentrieren kann ich mich nicht. Ich denke immer wieder an die vielen Menschen im Camp und wie das Leben für sie wohl weitergehen wird. Die politische Situation in Griechenland und auch auf dem Rest der Welt ist zurzeit extrem schwierig. In Griechenland gibt es kaum Arbeitsplätze. Und die Grenzen zu anderen EU-Ländern sind geschlossen. Einreisegenehmigungen gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen. Statt Lösungen für die sogenannte Flüchtlingskrise zu finden, wird der Grenzschutz zunehmend verstärkt. Gelegentlich gehen Gerüchte über ein Ende des Krieges in Syrien durch die Medien. Leider sind es Gerüchte. Die Realität ist, dass eine Rückkehr in die meisten Herkunftsländer zurzeit eher den sicheren Tod für die meisten Menschen bedeuten würde.

delikates Abendessen
Foto: Andrea Koltermann

Während ich schreibe und meine Fotos sortiere zaubert meine Mitbewohnerin tolle Gerichte. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Manchmal sind unterschiedliche Interessen doch von Vorteil.

Wie gut es mir geht, denke ich. Weil ich zufällig in einem Land lebe, in dem es zurzeit keinen Krieg gibt, lebe ich sicher. Weil ich in der EU lebe, kann ich ohne Visum in jedes andere EU-Land reisen. Illegal, wie grausam dieses Wort klingt, wie können Menschen illegal sein, frage ich mich. Ist das menschenrechtlich überhaupt möglich illegal zu sein? Nur weil sie in einem Land unter Bedingungen für die sie nichts können geboren sind und leben.

Hilfe für Menschen in einer ausweglosen Situation:
Gehen Sie shoppen in Dråpen I Havets

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Polycastro, Tag vier, Sonntag, 12. August 2018

Freier Tag

Heute ist unser freier Tag. Nach einem langen Frühstück sehe ich mir im Internet eine Reportage über die aktuelle Flüchtlingspolitik in Deutschland, Dänemark und in Kanada an. So wie es aussieht, werden künftig nur noch sehr gut ausgebildete Menschen eine Chance auf Asyl haben.

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-auslaender-rein—der-streit-ums-einwanderungsgesetz-100.html

Am Nachmittag fahren einige Volunteers und ich zusammen an die mazedonische Grenze, um dort in einem wunderschönen kleinen See am Skra Wasserfall zu baden. 12 Grad kaltes Wasser bei 32 Grad Lufttemperatur. Da wird nicht lange gezögert. Die Erfrischung und das anschließende Picknick tun uns gut.

zum Skra Wasserfall
Foto: Andrea Koltermann

Auf dem Rückweg werden wir von der griechischen Polizei angehalten. Wir müssen unsere Papiere zeigen und werden gefragt, wem der Wagen gehöre. Wir fragen uns, ob die Polizisten unseren italienischen Fahrer wegen seiner dunklen Haare für einen Flüchtling gehalten haben.

2 Wochen im Flüchtlingscamp in Nea Kavala, Griechenland. Meine Erfahrungen lest Ihr in meinem Blog www.andrea-koltermann.de@drapenihavet#fraueneinestimmegeben#sprechendÜBERZEUGEN!

Gepostet von Andrea Koltermann am Samstag, 29. September 2018

DER WINTER WIRD KALT!
Spendenaktion für warme Bettdecken:
https://www.facebook.com/donate/1959933580764422/10217188784373006/