Kennst du diesen Gedanken?
Eigentlich ist doch alles in Ordnung.
Du hast vieles erreicht. Du kümmerst dich um deinen Alltag, trägst Verantwortung, löst Probleme und erledigst, was erledigt werden muss.
Und trotzdem taucht manchmal dieses Gefühl auf:
War das schon alles?
Da müsste doch noch etwas sein.
Mehr Freude. Mehr Lebendigkeit. Mehr von dem, was wirklich zu mir gehört.
Vielleicht brauchst du dafür nicht sofort einen neuen Lebensplan.
Vielleicht brauchst du zuerst etwas, das du als Kind ganz selbstverständlich konntest:
spielen.
Spielen? Ich bin doch erwachsen!
Bei Spielen denken wir schnell an Brettspiele, Bauklötze oder einen Ball.
Ich meine etwas anderes.
Spielen bedeutet:
ausprobieren, ohne das Ergebnis schon zu kennen.
Neugierig sein.
Improvisieren.
Ideen entwickeln.
Etwas anders machen als sonst.
Sich überraschen lassen.
Und manchmal auch ein bisschen verrückt sein.
Kinder beherrschen das wunderbar. Sie brauchen nicht für alles einen Fünfjahresplan.
Sie fangen an.
Und schauen, was passiert.
Vielleicht ist genau das im Erwachsenenleben verloren gegangen
Wir Erwachsenen haben gelernt, zielorientiert zu sein.
Was bringt mir das?
Lohnt sich das?
Kann ich das?
Bin ich gut genug darin?
Was denken die anderen?
Und vor allem:
Was kommt dabei heraus?
Diese Fragen haben ihre Berechtigung. Doch wenn sie jede Entscheidung bestimmen, kann unser Leben irgendwann sehr vernünftig und gleichzeitig erstaunlich vorhersehbar werden.
Dann funktionieren wir hervorragend.
Aber fühlen wir uns auch lebendig?
Dein Inneres Kind kennt noch eine andere Frage
Stell dir vor, du würdest einen Moment lang nicht fragen:
„Was bringt mir das?“
Sondern:
„Was könnte daraus entstehen?“
Spürst du den Unterschied?
Die erste Frage verlangt ein Ergebnis.
Die zweite öffnet eine Tür.
Und genau dort beginnt für mich die Kraft unseres Inneren Kindes.
Es erinnert uns an einen Teil in uns, der neugierig sein darf, Möglichkeiten sieht und Lust darauf hat, etwas auszuprobieren.
Was hast du als Kind geliebt?
Denk einmal zurück.
Was hast du freiwillig stundenlang gemacht?
Hast du gebaut?
Gemalt?
Geschichten erfunden?
Dich verkleidet?
Getanzt?
Gesungen?
Bist du draußen herumgestromert?
Hast du andere Kinder um dich versammelt?
Hast du Abenteuer erfunden?
Entscheidend ist gar nicht unbedingt, was du gemacht hast.
Interessanter ist:
Was hast du dabei erlebt?
Freiheit?
Kreativität?
Bewegung?
Gemeinschaft?
Abenteuer?
Fantasie?
Entdecken?
Gestalten?
Vielleicht steckt darin ein Hinweis auf etwas, das dir heute fehlt.
Aus einem Hindernis kann ein Abenteuer werden
Genau hier wird Spielen für mich viel mehr als Freizeitbeschäftigung.
Es verändert die Perspektive.
Angenommen, du stehst vor einer beruflichen oder persönlichen Veränderung.
Du kannst fragen:
„Was kann dabei alles schiefgehen?“
Du kannst aber auch fragen:
„Was könnte ich ausprobieren?“
Plötzlich brauchst du noch keine perfekte Lösung.
Du brauchst nur einen nächsten Schritt.
Das ist für mich eine Form von Selbstcoaching:
Aus dem Problem wird eine Frage.
Aus der Frage wird eine Möglichkeit.
Aus der Möglichkeit wird ein Experiment.
Und aus einem Hindernis kann plötzlich ein kleines Abenteuer werden.
Der 30-Minuten-Test
Ich lade dich zu einem Experiment ein.
Reserviere dir diese Woche 30 Minuten nur für dich.
In diesen 30 Minuten musst du nichts leisten, optimieren oder erreichen.
Mach etwas, auf das du Lust hast.
Oder probiere etwas aus, das du schon lange einmal tun wolltest.
Danach beantworte dir drei Fragen:
- Was hat sich währenddessen verändert?
- Wann habe ich mich besonders lebendig gefühlt?
- Was sagt mir das über das, wovon ich in meinem Leben mehr möchte?
Bei der dritten Frage wird es spannend.
Denn vielleicht geht es am Ende gar nicht um die 30 Minuten.
Vielleicht zeigen sie dir etwas über dich.
Und wenn du längst spürst: Da ist noch mehr?
Dieser Satz begegnet mir immer wieder:
„Ich weiß noch nicht genau, was ich verändern möchte. Aber ich weiß, dass da noch etwas ist.“
Das finde ich spannend.
Denn Veränderung muss nicht immer damit beginnen, dass wir bereits die perfekte Antwort kennen.
Sie kann mit Neugier beginnen.
Mit einer Frage.
Mit einem Experiment.
Und mit der Bereitschaft, die eigene Lebendigkeit wieder ernst zu nehmen.
Mein Inneres Kind ist für mich dabei kein Blick zurück.
Es kann ein Kompass nach vorn sein.
Genau dieser Gedanke begleitet mich auch beim Schreiben meines neuen Buches „Schluss mit dem Ernst des Lebens. Dein Inneres Kind als Kompass für Leichtigkeit“.
Denn vielleicht lautet eine der wichtigsten Fragen gar nicht:
„Was sollte ich aus meinem Leben machen?“
Sondern:
„Was möchte in meinem Leben noch entdeckt werden?“
Und manchmal beginnt die Antwort mit etwas, das erstaunlich leicht aussieht:
Spielen.
Und genau darum geht es auch in meinem neuen Buch „Schluss mit dem Ernst des Lebens. Dein Inneres Kind als Kompass für Leichtigkeit“, das in Kürze im Gallip Verlag (Daniela Hillers) erscheint.