Mit geflüchteten Menschen arbeiten – Volunteer werden – wie geht das?

Wie hast du das gemacht?
Was hat dich überhaupt auf diese Idee gebracht?
Ist das nicht gefährlich in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten?
Würdest du wieder in einem Flüchtlingscamp arbeiten?

Viele meiner Freunde haben mich das gefragt. Sogar die lokale Presse hat mich nach meinem Aufenthalt in Nea Kavala zu Interviews eingeladen.

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Foto: Isabel Sevé

Anzusehen, wie viele Menschen unverschuldet aus ihrer Heimat fliehen müssen, bewegt mich schon seit vielen Jahren. Letztes Jahr war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, selbst aktiv zu werden.

Sicher kann Flüchtlingshilfe auch gefährlich sein. Wenn ich selbst mit einem Schlauchboot aufs offene Meer hinausfahre, um dort Menschen aus dem Wasser zu ziehen, dann erscheint mir das sogar extrem lebensgefährlich.

In diese Gefahr wollte ich mich nicht begeben. Nachdem ich mich vorab gründlich informiert hatte, habe ich mich für die norwegische Hilfsorganisation Dråpen i Havet entscheiden. Aufgebaut und geführt von Volunteers aus aller Herren Länder, die komplett unentgeltlich arbeiten, ist diese NGO seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv. Die Sicherheit der Volunteers wird hier extrem großgeschrieben.

Meine Erlebnisse, die ich als positiv und doch oft frustrierend zugleich bewerte, habe ich in meinem blog beschreiben.
Ja, ich spiele mit dem Gedanken, auch in diesem oder in einem der kommenden Jahre weiter in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten.

Was muss ich beachten, wenn ich Volunteer werden möchte?

Was unerfahrene hilfewillige Menschen vermeiden sollten, ist ganz allein auf Hilfstour zu gehen. Wer sich einer NGO anschließt, ist vielleicht in seiner Hilfsdienstleistung weniger flexibel als jemand, der Ziele und Inhalte seiner Arbeit selbst bestimmt, kann sich aber darauf verlassen, dass seine Sicherheit gewährleistet ist.

Foto: Isabel Sevé

Die meisten Flüchtlingscamps befinden sich auf militärischem Sperrgebiet und dürfen ohne Genehmigung nicht betreten werden. In Nea Kavala sind die für NGOs tätigen Volunteers verpflichtet, eine Plakette sichtbar an der Kleidung zu tragen.

Ist das nicht gefährlich in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten?

Um sich als Helfer nicht unnötig in Gefahr zu bringen, sollte man folgende Regeln beachten:

Der Transport von Menschen, die keine gültige Aufenthaltsgenehmigung besitzen ist strafbar und kann zu Gefängnisaufenthalten wegen Menschenschmuggelei führen.

Konflikte innerhalb eines Camps sind aufgrund der unterschiedlichsten Herkunfts- und Lebenssituationen der Camp-Bewohner immer denkbar. Es ist sinnvoll, die vor Ort für solche Fälle geltenden Regeln zu kennen und sich daran zu halten.

Geflüchtete Menschen haben Kriegssituationen, Gewalt und große Gefahr erlebt. Manchmal brauchen sie Zeit, um Fremden gegenüber Vertrauen aufbauen zu können.

Die Gefahr ansteckender Krankheiten ist aufgrund der Hygienebedingen, denen die Camp-Bewohner ausgesetzt waren oder sind unbedingt ernst zu nehmen.

In einem Camp kursierende Krankheiten, auch solche wie HIV oder Hepatitis sind ernst zu nehmen. Vor Körperkontakt, vor allem sexuellem Kontakt zu Camp-Bewohnern ist dringend abzuraten. Auch zu den Kindern sollte aus beiderseitigem Interesse eine angemessene Distanz bewahrt werden.

Ebenfalls zu beachten sind die zahlreichen herrenlosen Tiere, die in den Camps leben und in der Regel weder geimpft noch entwurmt sind.

Vor Antritt der Volunteer-Tätigkeit sollte man sich entscheiden, ob man z.B. über Facebook mit Camp-Bewohnern vernetzen möchte und wenn ja, welchem Zweck das dienlich sein soll.

Für alle Fotos, auf denen Menschen aus dem Camp oder deren Eigentum zu erkennen sind, wird eine schriftliche Einverständniserklärung dieser Personen benötigt.

Bitte achtet darauf, Kleidung zu tragen, die Knie und Schultern bedeckt halten.

Zur Sicherheit solltet ihr immer mobil erreichbar zu sein bzw. jemanden erreichen zu können.

Welche Möglichkeiten habe ich konkret, um Hilfe zu leisten?

Die Antworten auf folgende Fragen können dir für deine Entscheidungsfindung, aber auch für die Bewerbung bei einer NGO von Nutzen sein:

  • Was motiviert dich, als Volunteer zu arbeiten?
  • Wo willst du hin? Was sind deine persönlichen Ziele?
  • Wer bist du, beschreib dich kurz!
  • Was ist dir wichtig?
  • Was kannst du richtig gut?
  • Wie glaubst du, den Flüchtlingen helfen zu können?
  • Wann und wo kannst du helfen?

Deine ToDos, wenn du dich entschieden hast, als Volunteer zu arbeiten:

  • Eine Organisation suchen, die Flüchtlingsprojekte betreut
  • Einen Termin für die Reise wählen
  • Einige freie Tage nach der Reise einplanen, um die Akklimatisierung zu gewährleisten
  • Ein Flüchtlingscamp auswählen
  • Anreise und Quartier buchen
  • Überlegen, ob du Öffentlichkeitsarbeit z.B. durch das Schreiben eines Blogs leisten willst
  • Erkundigen, was ggf. vor Ort gerade besonders dringend benötigt wird

Was tun, wenn ich Geld oder z.B. Kleidung spenden möchte?

Geldspenden werden immer benötigt. Am einfachsten ist es, Mitglied bei einer Hilfsorganisation zu werden oder die Spendenkampagnen ehemaliger Volunteers zu unterstützen. Auf meiner Facebookseite teile ich diese regelmäßig.

Kleidung
Foto: Andrea Koltermann

Kleidung, vor allem Schuhe, aber auch Decken und Schlafsäcke können per Post direkt an Adressen vor Ort geschickt werden. Auf Anfrage geben die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen diese gern weiter.

Bei sämtlichen Fragen kannst du mich auch gern persönlich kontaktieren.

Spendenaufruf
Foto: Andrea Koltermann

Herzlichen Dank für dein Interesse daran, Menschen in Not zu unterstützen.

Andrea Koltermann
Volunteer Dråpen i Havet August 2018

Back home, Friday, 24th of August 2018

The first night in my one home. I’m happy to see my family again, to sleep in my own bed. In Greece I didn’t sleep very well. There were so many questions in my brain. These questions are still alive in my thoughts.

Foto: Isabel Sevé

What is going to happen to all these nice people? Going back to their homes is no option at this moment. Will they be able to move to another country, to find a safe place to live and to work, to be integrated somewhere? Will their children ever have any chance to get a good education? Will these traumatised people ever have the possibility to live a normal live? Children that have seen war, played war, escaped war. Young man, who had been soldiers, trained to kill other people with machine guns, other young men, fled before they would have been forced to kill by order of the military.

Since I was grown up, I decide what I want to do, where I want to live and with whom I live together. There are many people in this world who won’t ever have these possibilities.

I believe that I did a very good work the last two weeks, but was it more than a drop in the ocean? I know, every ocean is made of many drops.

Blog
Foto: Patrick Heinz

Could there be more important things that should be done? Like organising medical and therapeutically help?
Will I go back to Nea Kavala to continue my work over there? Will I offer my help building up other camps in Greece?
Can I do some similar or better work then I did in the detention centre in Greece also here in Germany?
Will I organise information events for volunteers and other interested people?