Nea Kavala‚ Tag fünf, Montag, 13. August 2018

Mein Terminplan heute:

Englisch für Frauen
Gartenprojekt

Heute helfe ich bei We Are Here aus, einer mit Dråpen i Havet kooperierenden Organisation, die ebenfalls in Nea Kavala tätig ist.

Women’s Space, Foto Andrea Koltermann

Es werden Englischkurse für Frauen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angeboten. Meine Aufgabe ist es, den besonders schwachen Schülerinnen beim Ausfüllen ihrer Arbeitsblätter und vor allem beim Üben der Aussprache zu helfen.

These buildings were made by NGos and refugees, Foto: Andrea Koltermann

Zweiundzwanzig Frauen und junge Mädchen haben eine Menge Spaß. Wir üben Begrüßungen, Wochentage, Zahlen und das Alphabet. Englisch zu lernen ist eine große Herausforderung für Menschen aus arabischen Kulturen. Das habe ich vor einigen Tagen verstanden, als ein junger Mann versucht hatte, mir die Wochentage in seiner Sprache beizubringen. Geschrieben wird von rechts nach links und die Zeichen sehen vollkommen anders aus als unsere Buchstaben. Die Woche beginnt mit dem Sonntag und die Tage werden von Tag Eins bis Tag Sieben (Yoom assabt) hochgezählt.

Wochentage auf Arabisch
Foto: Andrea Koltermann

 Ich freue mich die Frauen, die sonst eher zurückhaltend und schüchtern sind, hier im Women’s Space so entspannt und fröhlich anzutreffen. Hier haben Männer, die in vielen Familien für die Kommunikation außerhalb der Famillien zuständig sind, keinen Zutritt. Deshalb legen die meisten muslimischen Frauen ihre Schleier ab, es wird viel gelacht und sogar Babys werden während des Unterrichts gestillt. Später an diesem Tag treffe ich einige der Frauen wieder. Sie begrüßen mich freudig mit einem „Hello teacher!“
Ich freue mich schon auf die kommenden Unterrichtsstunden.

Garten Projekt 1
Foto: Andrea Koltermann

Am Abend steht das Gartenprojekt im Childrens Friendly Space an. Jetzt ist es nicht mehr so heiß und die Kinder kommen aus ihren Häusern und Zelten. Viele Kinder lernen hier erst einmal mit Wasser, Sand, Schaufel und Eimer zu spielen. Im Krieg und auf der Flucht hatten viele Kinder nicht die Chance zu spielen, wie unsere Kinder es gewöhnlich tun.

Gemeinsam etwas tun, buddeln, mit Wasser matschen, spielen, das ist eine spaßige Art miteinander zu kommunizieren, auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht.

Eine Ernte aus diesem Garten erwarten wir in diesem Sommer nicht. Das wichtigste ist, dass sowohl Kinder als auch Eltern und Volunteers hier ihren Spaß haben.

Foto: Andrea Koltermann

Die Kinder möchten ihre Kleidung nicht schmutzig machen. Ich auch nicht! 🙂

Es ist so schön, die positive Energie vieler Kinder und Erwachsener hier mitzuerleben! (S.L., Volunteer aus Norwegen)

Kinder in arabischen Kulturen

In einem arabischen Land aufzuwachsen unterscheidet sich sehr von dem was Kinder in unseren westlichen Ländern erleben. Oft leben Großfamilien mit vielen Generationen zusammen und Großeltern oder ältere Geschwister übernehmen die Erziehung der kleineren Kinder.
Vier oder mehr Kinder zu haben ist nicht ungewöhnlich. In vielen Familien sind die Männer ca. 10 oder sogar 15 Jahre älter als ihre Frauen, die oft schon sehr früh ihre ersten Kinder bekommen. Selbst sehr kleine Kinder spielen den ganzen Tag draußen. Wenn einem Kind etwas passiert, kümmern sich alle anwesenden Personen darum. Die Gemeinschaft sorgt füreinander. Außerhalb ihres gewohnten Umfeldes ist die Kindererziehung für viele Eltern eine große Herausforderung.

Noch ist es warm in Griechenland. Doch schon bald werden sibirische Winde  eiskalte Winter ins Land bringen. Unzählige neu auf den Inseln ankommende Flüchtlinge brauchen dringend warme Decken. Bereits 1000 Decken konnten diesen Herbst schon durch Spenden auf folgendes Konto gekauft und nach Lesbos geliefert werden:

 https://www.facebook.com/donate/1959933580764422/10217188784373006/

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