Nea Kavala‚ Tag acht, Donnerstag, 16. August 2018

Freier Tag

An unserem freien Tag fahren eine Lehrerin aus Katalonien und ich mit dem Intercity-Bus nach Thessaloniki. An der Bushaltestelle in Polycastro treffen wir drei junge Männer aus unserem Camp, die wegen ihres Asylantrages auch dorthin zu einem Interview müssen.

Hafen von Thessaloniki
Foto: Andea Koltermann

Wir besuchen den Hafen, einige römische Gebäude aus der Römerzeit und eine typische Markthalle.

Foto: Andrea Koltermann
Thessaloniki
Foto: Andrea Koltermann

Ein Kollege aus Deutschland hat mir in einer E-Mail eine ganze Reihe an Fragen gestellt. Bei einer Tasse Kaffee am Hafen versuche ich diese jetzt zu beatworten:

Welche Hilfeleistungen können NGOs den Menschen in einem Camp in Griechenland bieten?

Was wir tun können, ist den Menschen den Alltag ein bisschen leichter und angenehmer zu gestalten. An sechs Tagen pro Woche helfen Dråpen I Havet Volunteers bei der Verteilung frischer Lebensmittel und verkaufen gespendete Kleidung. Die Bewohner erhalten regelmäßig eine bestimmte Anzahl an Drops, einer von Dråpen I Havet eigens dafür kreierten Kryptowährung, mit der sie im Drop Shop bezahlen können.

Lebensmittel
Foto: Andrea Koltermann

Auch die Wäscherei und der Nähworkshop sind sehr beliebte Angebote.
An den Sommerabenden finden Sportveranstaltungen wie Volleyball auf dem großen Gemeinschaftsplatz statt.

Fahrradverleih
Foto: Andrea Koltermann

Ein Fahrradverleih ermöglicht den geflüchteten Menschen mehr Mobilität. Wer zuvor eine Fahrradschulung abgelegt hat, kann sich ein Fahrrad ausleihen. Einige Frauen müssen erst einmal Radfahren lernen. Nach maximal drei Stunden müssen die Fahrräder wieder im Camp oder an der zweiten Fahrradstation in Polycastro abgegeben werden. Viele Flüchtlinge nutzen das Angebot, um zu ihren Sprachkursen nach Polycastro zu fahren. Für die Kinder gibt es leider keine Fahrräder.

Reparaturwerkstatt
Foto: Andrea Koltermann

Im Reparaturworkshop steht Werkzeug zur Verfügung und dank der Hilfe einiger guter Handwerker unter den Flüchtlingen wird fachkundig alles repariert, was noch brauchbar ist.

We Are Here 2
Foto: Andrea Koltermann

Die meisten dieser Bauten hier im Camp sind in den vergangenen zwei Jahren von Flüchtlingen und Volunteers gemeinsam errichtet worden.

We Are Here
Foto: Andrea Koltermann

Die mit Dråpen I Havet eng kooperierende Organisation We Are Here betreibt eine Kinderbetreuung, Sportaktivitäten für Kinder und Erwachsenen und Englischunterrricht und Yogakurse für Frauen.

Des Weiteren gibt es Spielangebote für die Kinder, die in ihrer Vergangenheit oft keine Chance hatten, überhaupt spielen zu lernen.
Auch das Gartenprojekt gehört zu den sehr beliebten Angeboten.
In einer Bücherei können die Flüchlinge zweimal wöchentlich Bücher ausleihen.

ChildrensFriemdlyPlace
Foto: Isabel Sevé

Im sogenannten Childrens Friendly Place, in dem Kinder erst einmal lernen sollen Vertrauen aufzubauen, spielen eine junge griechische Sozialarbeiterin und einige Volunteers regelmäßig mit ihnen.

Sprechen die Menschen schon ein bisschen englisch oder deutsch?

Manche sprechen recht gut englisch, einige auch deutsch, aber viele der Menschen sind erst kurz hier und sprechen keine unserer westeuropäischen Sprachen. In vielen Ländern wird englisch in den Schulen gelehrt, doch bedingt durch die Kriege sind vielen Kinder und Jugendlichen wertvolle Schuljahre entgangen.

Welches sind die Perspektiven der Menschen. Werden sie in das Camp und Griechenland verlassen können, um in einem anderen Land zu leben?

Einige Flüchtlinge haben mir erzählt, dass sie nach Deutschland ziehen möchten, oder nach Frankreich, nach Schweden oder auch in andere Länder Europas, doch dazu bräuchten sie ein Visum. Zunächst einmal müssten sie als illegal Eingewanderte ihren Asylantrag in Griechenland stellen, um überhaupt bleiben zu können. Wenn ich mir die aktuelle politische Lage in Europa ansehe, dann sind die Zukunftsaussichten nicht rosig. In Griechenland gibt es kaum Arbeitsplätze, die Sozialhilfe ist mit 150 Euro pro Person für einen Erwachsenen extrem niedrig und ein Einreisevisum für ein anderes europäisches Land derzeit kaum zu erhalten.

Ein muskulös wirkender junger Mann hat mir erzählt, er hätte am Hafen von Thessaloniki für einen Tageslohn von 13 Euro gearbeitet. Nach einigen Monaten musste er diesen körperlich sehr harten Job aufgeben. Den ganzen Tag in der Hitze zu arbeiten und von dem Geld nicht leben zu können hätte er nicht mehr ausgehalten. Einige Firmen in Griechenland scheinen Menschen in Not sehr auszunutzen. Tatsächlich unterscheiden sich die Preise in Thessaloniki kaum von denen in Deutschland stelle ich fest. In Polycastro ist zumindest das Essen im Restaurant etwas günstiger als in der Großstadt.

Derzeit kann niemand voraussagen, ob die Menschen tatsächlich Asyl in Griechenland erhalten werden oder ob sie doch irgendwann in ein anderes Land ausreisen dürfen. Manche warten seit zwei Jahren oder länger. Ein Mann hat mir erzählt, er sei bereits bei sieben Interviews in Thessaloniki gewesen und habe noch immer keine Antwort erhalten.

Ist es frustrierend in diesem Camp zu arbeiten oder hast du das Gefühl, das deine Arbeit etwas bringt?

Manchmal ist es sehr frustrierend, vor allem wegen der Perspektivlosigkeit. Ob meine Arbeit hier etwas bringt, ja das frage ich mich oft. Wenn ich mir dann jedoch ansehe, was NGOs mit Hilfe von Spendengeldern und freiwilligen Helfern aus aller Welt innerhalb von zwei Jahren aufgebaut haben, dann sehe ich, wie wertvoll jeder Handgriff hier ist. Jeder gibt einen Tropfen Hilfeleistung hinzu, das genau entspricht der Philosophie von Drapen i Havet.

Nea Kavala vor zwei Jahren:

1500 Menschen in notdürftigen Zelten ohne fließendes Wasser, kein Geld für Kleidung…

Seit ich diesen Bericht gelesen habe, verstehe ich wie wertvoll unsere Arbeit hier ist.

http://travellingbureau.blogsport.eu/2016/07/24/nea-kavala/

Warme Decken für Nea Kavala, Spenden Können sie Hier:

https://needslist.co/nlclaim/1400/add/20

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