Nea Kavala‚ Tag neun, Freitag, 17. August 2018

Mein Terminplan heute:

Anstreichen im Drop Shop
Wäscherei

Die Sommer in Griechenland sind sehr heiß. 32 Grad sind es im August oft schon am Vormittag. Die Menschen sitzen gern im Schatten zwischen ihren Containern.

Schatten zwischen Containern
Foto: Andrea Koltermann

Auch Cookie, einer der im Camp lebenden Hunde mag Schatten. Flüchtlinge und Volunteers kümmern sich tagsüber um ihn und versorgen ihn mit Wasser und Futter. Nachts schläft er wie ein Fuchs in einer Höhle, die er sich am Rande des Geländes im sandigen Boden selbst gegraben hat. Leider hat er eine Hautkrankheit, die ihn sehr zu quälen scheint. Er tut uns sehr leid, aber niemand von uns kann ihm helfen.

Cookie
Foto: Isabel Sevé

So wie die meisten Menschen lieben auch viele Flüchtlinge Shopping. Im Drop Shop haben sie alle zwei Wochen die Chance, sich für eine bestimmte Anzahl an Drops eine halbe Stunde lang Kleidung und zusätzliche Nahrungsmittel auszusuchen. Viel ist es nicht, aber es reicht zum Leben. Wir freuen uns, dass wir den Menschen zu ein paar glücklichen Momenten verhelfen können.

Den Menschen hier eine STIMME geben, das ist der Grund warum ich hier bin. Menschen die wenig oder nichts zu SAGEN haben, denen niemand zuhört.
Was ist eigentlich Kommunikation? Das frage ich mich immer wieder. Was bedeutet es, SPRECHEN zu können, etwas zu SAGEN zu haben, eine gemeinsame SPRACHE zu beherrschen?
Hier im Flüchtlingscamp in Nea Kavala werden viele Sprachen gesprochen, arabisch, türkisch, farsi, afrikanische Sprachen, manche Menschen sprechen französisch, englisch oder deutsch, mit vielen Menschen können wir mittels Gestik und Mimik kommunizieren oder es kommt jemand und hilft beim Übersetzen. Irgendwie funktioniert es. Doch wenn ich mir vorstelle, Menschen ohne Sprachkenntnisse sollten sich hier in Griechenland oder einem anderen westeuropäischen Land um einen Arbeitsplatz bewerben,… das wird sicher schwer. Dann die kulturellen Unterschiede…
Immer wieder mache ich mir diese Gedanken. Hier zwei Wochen lang Englischunterricht zu geben ist sicherlich gut, doch wie wird es für die Menschen weiter gehen? Wäre nicht griechisch sinnvoller, oder endlich Frieden in Ländern wie Syrien, Afganistan, Jemen?
Während ich diesen schweren Gedanken nachgehe streiche ich das Kinder-Schuh-Regal im Shop blau und grün und male ein paar Blumen darauf. Ist das nicht auch eine Art von Kommunikation? So können wir wenigstens den Kindern zeigen, dass sie hier willkommen sind…

Schuhregal
Foto: Andrea Koltermann

Eine Frau erzählt mir, ihr Sohn habe Bauchschmerzen. EIn paar andere Campbewohner hatten gestern auch schon darüber geklagt. Wir beschließen, nur noch gekauftes Wasser zu trinken. Möglicherweise ist das Trinkwasser hier verunreinigt. Wir sind froh, dass wir dieses im Supermarkt nebenan kaufen können.

EIne junge Frau klagt über Asthma. Ich überlege, ob ich einen Atemkurs organisieren soll, doch das läßt sich aus organisatorischen Gründen auf die Schnelle nicht realisieren.

In der Wäscherei komme ich mit einem Geografielehrer aus der Republik Kongo ins Gespräch. Seit zwei Jahren wartet er jetzt auf seine Papiere. Er möchte nach Frankreich, dort einen Studienabschluss machen und seine beiden noch in Afrika lebenden minderjährigen Töchter nachreisen lassen. Im Camp arbeitet er unentgeltlich als Dolmetscher für das griechische rote Kreuz.

Laundry
Foto: Andrea Koltermann

Auf einem Feld in unmittelbarer Nähe zum Camp verbrennt ein Bauer Grünabfälle. Das Feuer wird immer größer, aber das scheint ihm keine Sorgen zu bereiten. In Sichtweite fährt er mit seinem Traktor über das Feld. Die Campbewohner hingegen werden unruhig. Besorgt stehen sie zwischen ihren Behausungen und beobachten die Situation. Noch weht der Wind in die entgegengesetzte Richtung. Ich stelle mir vor, wie schnell sich ein Feuer hier zwischen den Containern ausbreiten würde. Wir haben Sommer und es hat seit Wochen nicht geregnet. Viele Anbauten sind aus Holz. Woraus die Container bestehen weiß ich gar nicht. Ob die wohl auch brennen könnten? Vermutlich schon. Ich kann die Angst der Menschen hier gut verstehen. Alles was sie und ihre Familienmitglieder noch besitzen befindet sich in den Containern und Zelten hier in Nea Kavala. Ich kann meine Tasche nehmen und das Camp verlassen, bin auch schon kurz davor, das zu tun, aber mein Kollege beruhigt mich.

Die diensthabenden Polizisten hier im Camp kommen irgendwann, um die Bewohner zu beruhigen. Die Feuerwehr wird erst eine Stunde später alarmiert und braucht dann recht lange, bis das Feuer komplett gelöscht ist.

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